Vom 16.-20. Januar 2017 fand in der Abtei Mariendonk das erste Modul des neuen Zyklus der Gemeinsamen Noviziatsausbildung statt. Sr. Philippa Strauch, Teilnehmerin aus dem Kloster Neustift in Bayern, hat den folgenden Bericht über den Kurs verfasst: 

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Sieben Novizinnen, drei Postulantinnen, fünf Ordenskandidaten und ein Postulant aus den Klöstern Marienrode, Fulda, Alexanderdorf, Mariazell/Wurmsbach, Neustift, Osnabrück, Einsiedeln, Maria Laach und auch von Mariendonk kamen im Rahmen ihrer Noviziatsausbildung zu dem Kurs „Väterlesungen“ zusammen, der von Äbtissin Christiana Reemts in hochkompetenter Weise durchgeführt wurde. In der ersten Einheit wurde ein allgemeiner Überblick über die Zeit der Kirchenväter gegeben und der Frage nachgegangen, warum man sich heute noch mit den „Patres Ecclesiae“ beschäftigen sollte. Darauf erarbeiteten die Teilnehmer die Antwort, dass fast alle liturgischen Texte, die wir heute im Stundengebet und der heiligen Messe beten, auf die Kirchenväter zurückgehen. Wenn wir mit ihren Worten beten, stellen wir uns gleichsam in eine 2000 Jahre alte Tradition. Desweiteren wurden wichtige theologische Themen der frühen Kirche behandelt, z.B. das Verhältnis zum Judentum, Geschichtliche Offenbarung, die Apostolische Sukzession und die Stellung der Christen in Staat und Gesellschaft. Dabei griff Äbtissin Christiana auf die Didache, den Diognetbrief und die Schrift „Adversus haereses“ von Irenäus zurück. Mit der heiligen Schrift und dem Verständnis des Alten Testamentes bei den Vätern befasste sich die dritte und vierte Unterrichtseinheit. Im Zentrum standen hierbei Texte von Augustinus, und Predigten von Gregor d. Gr. und Origenes. Dabei wurde über die Einheit der Schrift sowie über die Inspiration und die Inspiriertheit des Lesers gesprochen. Hierbei verwendete die Referentin auch einige Beispiele der patristischen Auslegung der Bibel, die möglichst voraussetzungslos an den biblischen Text herangeht.
Im Unterschied zu anderen Schriften, die wir lesen, sei Christus schon in der Bibel gegenwärtig und spricht auch heute noch zu uns durch sein Wort, das Gotteswort im Menschenwort ist. Nur dem vom hl. Geist erfüllten, inspirierten Leser enthüllt sich der Sinngehalt des Gelesenen. Die Einheiten sechs, sieben und acht schlossen sich an, die sich mit dem Gebet auseinandersetzten. Nach einer allgemeinen Einführung mit Texten von Augustinus, Origenes und aus der Didache, wurde die Auslegung zum Vater Unser von Cyprian und der Kommentar zu Psalm 86 vom Hl. Augustinus besprochen. Die Sakramente waren auch ein Thema, das die Kirchenväter sehr beschäftigt hat. In Gruppenarbeit wurde zur Taufe (Cyprian) und Eucharistie (Gregor/Augustinus) gearbeitet.
Wir sollen das werden, was wir im Gottesdienst essen: Leib Christi. Das setzt aber unsere eigene Wandlung voraus. Allein dies zeigt, wie überraschend aktuell das Denken und die Texte der Väter auch für die heutige Zeit sind. Zum Abschluss besprachen die Teilnehmer noch Texte zum Gottesbild des hl. Augustinus und seine negative Theologie, dass man von Gott nur sagen kann, was er nicht ist. Wir können sagen, dass er ist, weil er sich uns offenbart hat, aber wir können ihn nur sehen oder hören, wenn er sich sehen lässt.

Außer der Arbeit mit den Kirchenvätern, blieb den Teilnehmern noch Zeit in der Mittagspause Streifzüge durch die Gegend zu unternehmen oder an den Führungen durch die Klausur und die Werkstätten teilzunehmen. Dabei konnten sie life miterleben, wie in der Weberei ein Messgewand Gestalt annahm, in der Paramentenstickerei an einem Bild des hl. Martin v. Tours gearbeitet wurde und in der Näherei eine Stola entstand. Außerdem erhielten die Novizen und Postulanten Einblick in die Arbeit von Sr. Bonifatia, die sich mit einem Projekt befasst, das eine Synopse zu Jesus Sirach herstellt.

Die Schwestern von Mariendonk luden die Teilnehmer des Moduls auch zum Abendessen und zur Rekreation in die Klausur ein. So konnten sich alt und jung näher kennenlernen und in fröhlicher Runde feiern. Bereichert und beschenkt durch viele schöne Begegnungen und einen interessanten Kurs, der auch Anregungen für die eigene spirituelle Praxis enthielt, konnte alle wieder in ihre Klöster zurückkehren.

Sr. Philippa Strauch, Neustift