Einführung in die Philosophie mit P. Dr. Patrick Weisser

Bericht von Marianne Kissling/ Abtei Mariazell

philosophie2017

Vom 12.-16.Juni 2017 fand das Modul „Einführung in die Philosophie statt. Tagungsort war das Kloster der Benediktinerinnen St.Lioba in Güntherstal / Freiburg.

Pater Patrick Weisser von Einsiedeln führte uns in seiner ruhigen und strukturierten Art ein in die grosse Welt der Philosophie. Am Anfang standen ein kurzer geschichtlicher Abriss und die Klärung, was unter Philosophie zu verstehen ist. Wir lernten, dass es um radikales Fragen geht, um die Suche nach der Wahrheit. Im weiteren setzten wir uns mit dem Vergleich von Wissenschaft und Philosophie auseinander, sowie den Gemeinsamkeiten, Unterschieden und dem Spannungsverhältnis von Religion und Philosophie. Auf dem Streifzug durch diese verschiedenen Fragen begegneten uns zahlreiche grosse Persönlichkeiten, angefangen bei Platon und Aristoteles, über Thomas von Aquin, Descartes, die Aufklärer bis hin zu Wittgenstein, Marx, Sigmund Freud und C.G.Jung.
Selbstverständlich liess sich das umfassende Gebiet der Philosophie nicht in fünf Tagen erschliessen. Aber neben einem groben Überblick erhielten wir Ermutigung, Anregung und Anknüpfungspunkte für weiterführende Auseinandersetzungen mit dem Thema.

Die Stimmung in der kleinen und beschaulichen Gruppe von nur sechs Teilnehmenden war anregend und familiär, den regen Austausch erlebte ich als grosse Bereicherung.
Die Unterbringung im schönen Gästehaus, die traumhafte Lage des Klosters am Waldrand, die Teilnahme an der Liturgie, die Führung durchs Kloster, das gemeinsame Nachtessen im Konvent - all das bereicherte die Kurswoche zusätzlich.

 

Einführung in die Benediktusregel mit Sr. Dr. Michaela Puzicha

Bericht von Sr. Paula Kassenbrock/ Abtei Herstelle

Foto Salzburg

Vom 24.-28. April 2017 führte das Modul „Einführung in die Benediktusregel“ 16 Postulanten bzw. Kandidaten, Novizen und Triennalprofessen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich im malerischen Salzburg zusammen.
In je zwei täglichen Arbeitseinheiten machte uns Sr. Michaela Puzicha anhand des Kapitels 58 „Über die Aufnahme der Novizen“ mit grundlegenden Begriffen und Konzepten der Benediktsregel vertraut: Anhand von Leitfragen („Was kennzeichnet laut Benedikt den ‚Neuen‘, der da ins Kloster kommt?“, „Wie wird ihm begegnet?“, „Worauf lässt er sich ein?“, „Welche Hilfen gibt es für ihn?“ u.a.) legte sie das Kapitel aus und schlug dabei immer wieder Brücken zu verwandten Stellen der Regel und zu Bibelstellen, die Benedikts Formulierungen zugrunde liegen. So vermittelte sie uns nicht nur ein Gespür für den Denkhorizont der Regel als ganzer, sondern konnte auch eindrücklich zeigen, wie Benedikt aus der Heiligen Schrift heraus lebte und dachte. Die konkrete Situation von uns Teilnehmern als Anfängern auf dem klösterlichen Weg (die einen ganz am Anfang, die anderen schon etwas weiter) hatte in diesen Überlegungen ausdrücklich Platz: Im Gespräch konnten wir Fragen und Erfahrungen einbringen und Sr. Michaela verstand es, auch mit ihren eigenen Ausführungen immer wieder an unseren Noviziatskontext anzuknüpfen. Besonders eindrücklich betonte sie dabei, mit welch vorbehaltloser Offenheit Benedikt dem Neuankömmling begegnet und wie viel Verantwortung er ihm auf seinem klösterlichen Entscheidungsweg zugesteht und zutraut.
Am Rande der inhaltlichen Einheiten und beim gemütlichen Zusammensein während der Mahlzeiten oder am Abend konnten wir uns untereinander im Verlauf der Tage auch persönlich besser kennen lernen. So wurden zum einen neue Kontakte geknüpft, zum anderen entstand ein lebendiger Eindruck von der Vielfalt der vertretenen benediktinischen und zisterziensischen Gemeinschaften – gerade in Zeiten kleiner Noviziate vor Ort eine sehr bereichernde Erfahrung!
Trotz dichtem inhaltlichen Programm gab es außerdem immer wieder Gelegenheit, Salzburg zu erkunden: sei es auf eigene Faust beim Gang durch die Innenstadt, entlang der Salzach oder durch die vielen Kirchen und Museen, sei es bei der Führung durch die Abteikirche und das Kloster von St. Peter, die P. Simon Petrus eigens für uns und mit sichtbarer Leidenschaft für seine Abtei (und insbesondere deren barocke Bibliothek) anbot. Ihm und seinen Mitbrüdern von St. Peter sowie den Bewohnern des Studienkollegs, in dem wir sehr komfortabel untergebracht waren, sind wir zudem dankbar für die gastfreundliche Einladung zu Eucharistiefeier und Stundengebet.
So fuhren wir am Ende mit vielfältigen neuen Eindrücken und Einsichten wieder in unsere Gemeinschaften zurück: mit inhaltlich geschärftem Blick für ‚das eigentlich Notwendige‘ – den zeitlosen geistlichen Kern der Benediktsregel hinter allem Zeitbedingten –, persönlich bereichert durch die Gruppe und die geschenkte Zeit in Salzburg und bestärkt von der Zusage, die Benedikt uns am Ende seiner Regel auf unseren je eigenen Glaubensweg mitgibt: „Du kommst an!“

"Väterlesungen" mit Sr. Dr. Christiana Reemts

Vom 16.-20. Januar 2017 fand in der Abtei Mariendonk das erste Modul des neuen Zyklus der Gemeinsamen Noviziatsausbildung statt. Sr. Philippa Strauch, Teilnehmerin aus dem Kloster Neustift in Bayern, hat den folgenden Bericht über den Kurs verfasst: 

Gruppenfoto 2017 1

Sieben Novizinnen, drei Postulantinnen, fünf Ordenskandidaten und ein Postulant aus den Klöstern Marienrode, Fulda, Alexanderdorf, Mariazell/Wurmsbach, Neustift, Osnabrück, Einsiedeln, Maria Laach und auch von Mariendonk kamen im Rahmen ihrer Noviziatsausbildung zu dem Kurs „Väterlesungen“ zusammen, der von Äbtissin Christiana Reemts in hochkompetenter Weise durchgeführt wurde. In der ersten Einheit wurde ein allgemeiner Überblick über die Zeit der Kirchenväter gegeben und der Frage nachgegangen, warum man sich heute noch mit den „Patres Ecclesiae“ beschäftigen sollte. Darauf erarbeiteten die Teilnehmer die Antwort, dass fast alle liturgischen Texte, die wir heute im Stundengebet und der heiligen Messe beten, auf die Kirchenväter zurückgehen. Wenn wir mit ihren Worten beten, stellen wir uns gleichsam in eine 2000 Jahre alte Tradition. Desweiteren wurden wichtige theologische Themen der frühen Kirche behandelt, z.B. das Verhältnis zum Judentum, Geschichtliche Offenbarung, die Apostolische Sukzession und die Stellung der Christen in Staat und Gesellschaft. Dabei griff Äbtissin Christiana auf die Didache, den Diognetbrief und die Schrift „Adversus haereses“ von Irenäus zurück. Mit der heiligen Schrift und dem Verständnis des Alten Testamentes bei den Vätern befasste sich die dritte und vierte Unterrichtseinheit. Im Zentrum standen hierbei Texte von Augustinus, und Predigten von Gregor d. Gr. und Origenes. Dabei wurde über die Einheit der Schrift sowie über die Inspiration und die Inspiriertheit des Lesers gesprochen. Hierbei verwendete die Referentin auch einige Beispiele der patristischen Auslegung der Bibel, die möglichst voraussetzungslos an den biblischen Text herangeht.
Im Unterschied zu anderen Schriften, die wir lesen, sei Christus schon in der Bibel gegenwärtig und spricht auch heute noch zu uns durch sein Wort, das Gotteswort im Menschenwort ist. Nur dem vom hl. Geist erfüllten, inspirierten Leser enthüllt sich der Sinngehalt des Gelesenen. Die Einheiten sechs, sieben und acht schlossen sich an, die sich mit dem Gebet auseinandersetzten. Nach einer allgemeinen Einführung mit Texten von Augustinus, Origenes und aus der Didache, wurde die Auslegung zum Vater Unser von Cyprian und der Kommentar zu Psalm 86 vom Hl. Augustinus besprochen. Die Sakramente waren auch ein Thema, das die Kirchenväter sehr beschäftigt hat. In Gruppenarbeit wurde zur Taufe (Cyprian) und Eucharistie (Gregor/Augustinus) gearbeitet.
Wir sollen das werden, was wir im Gottesdienst essen: Leib Christi. Das setzt aber unsere eigene Wandlung voraus. Allein dies zeigt, wie überraschend aktuell das Denken und die Texte der Väter auch für die heutige Zeit sind. Zum Abschluss besprachen die Teilnehmer noch Texte zum Gottesbild des hl. Augustinus und seine negative Theologie, dass man von Gott nur sagen kann, was er nicht ist. Wir können sagen, dass er ist, weil er sich uns offenbart hat, aber wir können ihn nur sehen oder hören, wenn er sich sehen lässt.

Außer der Arbeit mit den Kirchenvätern, blieb den Teilnehmern noch Zeit in der Mittagspause Streifzüge durch die Gegend zu unternehmen oder an den Führungen durch die Klausur und die Werkstätten teilzunehmen. Dabei konnten sie life miterleben, wie in der Weberei ein Messgewand Gestalt annahm, in der Paramentenstickerei an einem Bild des hl. Martin v. Tours gearbeitet wurde und in der Näherei eine Stola entstand. Außerdem erhielten die Novizen und Postulanten Einblick in die Arbeit von Sr. Bonifatia, die sich mit einem Projekt befasst, das eine Synopse zu Jesus Sirach herstellt.

Die Schwestern von Mariendonk luden die Teilnehmer des Moduls auch zum Abendessen und zur Rekreation in die Klausur ein. So konnten sich alt und jung näher kennenlernen und in fröhlicher Runde feiern. Bereichert und beschenkt durch viele schöne Begegnungen und einen interessanten Kurs, der auch Anregungen für die eigene spirituelle Praxis enthielt, konnte alle wieder in ihre Klöster zurückkehren.

Sr. Philippa Strauch, Neustift